Niedlichleid
Ein illustriertes Buch über die gesundheitlichen Folgen der Kurzköpfigkeit bei Hunden
Illustration, User Research, Storytelling
2023
Ob Mops, Französische Bulldogge oder Pomeranian: Sie haben die Fähigkeit, unsere Herzen im Sturm zu erobern - mit ihrem einzigartigen Aussehen und ihrer liebenswerten Persönlichkeit. Doch die putzigen Gesichter und knuddeligen Körper bringen einige gesundheitliche Herausforderungen mit sich. In „Niedlichleid“ wird über das Thema Kurzköpfigkeit bei Hunden aufgeklärt.
Vom persönlichen Erfahrungsbericht zum aktivierenden Abschluss mit Handlungsimpuls
Prozess
Warum sind kurzköpfige Hunderassen trotz ihrer gesundheitlichen Probleme so beliebt?
Hohe Nachfrage und gesundheitliche Risiken
Problem
Zu den beliebtesten Hunderassen in Deutschland zählen der Mops, die Französische Bulldogge, der Cavalier King Charles Spaniel oder Pomeranian. Ihr kurzer Kopf macht sie besonders niedlich. Gleichzeitig sorgt er aber dafür, dass viele von ihnen schwer atmen können, weil die Zunge und das Gaumensegel für den kleinen Schädel zu groß sind. Trotzdem werden die Atemprobleme oft nicht als gesundheitliche Einschränkung wahrgenommen, sondern vielmehr als „typisch für die Rasse“ abgetan. Wie können Hunde, die darunter leiden, trotzdem so beliebt und die Nachfrage nach ihnen so hoch sein?
Welche instinktiven Reaktionen lösen kurzköpfige Hunde in uns aus?
Kindchenschema als evolutionärer Schlüsselreiz
Idee
Vergleicht man ein Baby mit einem Mops, fallen sofort Gemeinsamkeiten auf: großer Kopf, breite Stirn und große Augen – klassische kindliche Proportionen. Der Mops entspricht damit dem sogenannten Kindchenschema, das in uns ganz automatisch ein evolutionär bedingtes Fürsorge- und Kümmerverhalten auslöst. Kein Wunder also, dass kurzköpfige Hunde auf uns Menschen so attraktiv wirken. Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee, die Niedlichkeit bewusst einzusetzen und sie als Teil der Sensibilisierung sichtbar zu machen.
Wie lässt sich Niedlichkeit gezielt einsetzen, um das Bewusstsein für das Leid kurzköpfiger Hunde zu schärfen?
Methodische Herangehensweise
Konzept
Bei dem illustrierten Buch wird die Niedlichkeit gezielt genutzt, um die Aufmerksamkeit der Hundebesitzenden zu gewinnen und sie zur Auseinandersetzung mit dem Leid der Tiere zu bewegen. Ein kindlicher Stil schafft eine visuelle Welt, die neugierig macht und den Kontrast zu den gesundheitlichen Problemen der Hunde unterstreicht. Die Struktur gliedert sich in einen sanften Einstieg, sechs Erfahrungsberichte von Hundebesitzer:innen und einen abschließenden Überblick über die Problematik der Qualzucht. Illustrationen, kurze Texte und Farbkonzepte sollen Emotionen wecken und Verständnis für den Alltag betroffener Hunde schaffen.
Illustrationen aus „Niedlichleid“, die typische Erkrankungen kurzköpfiger Hunde visualisieren
Storytelling und Outcome
Die sechs Erfahrungsberichte
Um mit Halter:innen kurzköpfiger Hunderassen in den Austausch zu kommen, habe ich gezielt Facebook-Gruppen sowie die App Dogorama genutzt und dort zu persönlichen Erfahrungsberichten aufgerufen. Insgesamt führte ich Gespräche mit über 40 Hundebesitzer:innen. Aus diesen wählte ich sechs exemplarische Geschichten aus, die unterschiedliche Krankheitsbilder und Lebensrealitäten abbilden.
von oben links
Mops Greta · Atemprobleme, Kieferfehlstellung und Hautreizungen
Kleinpudel Lotte · unvollständig ausgebildetes Kleinhirn
Cavalier King Charles Spaniel Bruno · Syringomyelie (blockierte Hirnflüssigkeit)
Bulldoggen Sissi und Franz · zu langes Gaumensegel und verengte Nasenlöcher
Pomeranian Jette · gestautes Hirnwasser
Dramaturgischer Aufbau
Einführung in die Problematik der Qualzucht
Das Buch beginnt mit einer sanften Einführung in die Beziehung zwischen Mensch und Hund. Es erklärt, wie Hunde über Jahrhunderte domestiziert wurden und wie das Kindchenschema unsere Wahrnehmung prägt. So wird der Grundstein gelegt, um die Problematik der Kurzköpfigkeit zu verstehen.
Erfahrungsberichte von Hundebesitzer:innen
Sechs Hundebesitzer:innen teilen persönliche Geschichten über ihre kurzköpfigen Hunde. Jede Erzählung beginnt mit einem Einblick in die Lebenswelt der Tiere, um Empathie zu wecken, und beschreibt anschließend den Alltag, in dem die gesundheitlichen Beschwerden deutlich werden. Abschließend geben die Hundebesitzer:innen ein Zitat, das den Spagat zwischen Liebe zu ihrem Hund und der Realität der Qualzucht zeigt und den Lesenden zum Nachdenken anregen soll.
Handlungsimpulse und Fazit
Das Buch schließt mit einem Fazit, das alle betroffenen Hunderassen zusammenfasst und verdeutlicht, dass nur die Nachfrage den Markt verändern kann. Es zeigt zudem die begrenzte Umsetzung des deutschen Tierschutzgesetzes auf. Abgerundet wird das Buch durch Sticker, die die Lesenden dazu einladen, aktiv zu werden und die Botschaft weiterzutragen.
Credits
Das Projekt ist im Rahmen meiner Bachelorarbeit an der Hochschule Hannover entstanden.
Prüfende: Prof. Ulli Lust und Kai Pfeiffer
Inspiration und Theorie: Konrad Lorenz („Kindchenschema“), Rowena M. A. Packer („Come for the looks, stay for the personality?“)